wildewelt

romanwelten, echtwelten, virtuelle welten und der ganz alltägliche wahnsinn: autorenblog von PETRA VAN CRONENBURG

08 Juli 2006

Lesung am Handlungsort!

Lesung "Lavendelblues" und "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" am 21.07. um 20 Uhr in der Buchhandlung Straß, Kreuzstr. 3 / Passage, 76530 Baden-Baden (Handlungsort!), Tel. 07221 / 24135

Orientierungstafel / Parkhaus Kongresszentrum, die Buchhandlung befindet sich gleich hinter dem Augustaplatz (Innenstadt).

Dies wird wahrscheinlich für diesen Sommer die letzte Lesung sein, weil ich mich ganz meinen neuen Projekten widmen möchte.

22 April 2006

Nur noch wenige Karten!

Nur noch wenige Karten gibt es für meine Gourmetlesung mit Musik am 6.5. in Diedelsheim bei Bretten. Ich lese dort aus meinem Buch "Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt" - und den gibt es vom meisterhaften Koch persönlich zubereitet. Infos und Kontakt hier.

Lavendelblues

Die Journalistin Aríane K. empfiehlt den Roman "Lavendelblues" in ihrem Blog.

12 März 2006

Kayah und Bregovic (CD)

Die Mischung ist außergewöhnlich. Die bekannte polnische Sängerin Kayah trifft auf Goran Bregovic, der im Westen durch seine wild-emotionale Musik zu Filmen von Emir Kusturica berühmt wurde. Dazu noch ein Goralenensemble, das selbst für polnische Ohren exotisch klingt. Die Goralen sind eine ethnische Minderheit in der Tatra, musikalisch etwa das, was Bayern für Deutsche bedeuten... aber gern mal mit Ausflügen in die Weltenmusik und den Jazz.

Was dabei herauskommt, ist ein eigenartiges Schweben zwischen Istanbul und Belgrad, Warschau und Athen, Polen und Serbien - das seine Feinheiten beim zweiten Hören besonders entfaltet.
Die polnische Iggy-Pop-Adaption von "sleep my dearest, sleep" schlängelt sich durch orientalische Bazare und quillt wie das Leben in Istanbuls Straßen. Anstatt zu schlafen, wird man eher zum Bauchtanz verführt.

"To nie ptak" kommt lyrisch daher, zart, besticht mit Kayas Stimme und russisch anmutendem Chor. Dafür schüttelt "sto lat" den ganzen Körper in Tanzlaune - diese Klänge kennen wir aus Kusturicas schrägen Filmen. Zwischen Zigeunerwehmut und jiddisch anmutendem Schmelz das mehrstimmige "a rose was I" - und Kayas nachdenkliche Stimme zu überraschenden Kontrabassklängen in "trudno kocha´c".

So viel wäre zu sagen... ein abwechslungsreiches Album mit vielen leisen Zwischentönen, nie ihre tanzende Beschwingtheit verlierend, aber auch mit vehementer Lebensfreude und einer Trauer, die im gleichen Augenblick in Glück umschlagen kann. Weltenmusik mit einem starken polnischen Stempel, der Ofra Hazas "Elo Ili" an die Weichsel zaubert und aus dem berühmten Zigeuner-Trauergesang "Ederlezi" eine erstaunlich lebenslustige Angelegenheit macht.

Mein absoluter Favorit "Tabakiera", ein Tango, der so leicht durch die Luft zu schweben scheint und doch alles hat: Melancholie, Sehnsucht, Erinnerung, Freude, Leichtigkeit. Suchtmusik.

Nicht alles ist schlecht

Mir ist aufgefallen, dass immer noch Kritikerblut in mir wallt. Nachdem ich nun schon einige TV-Filme verrissen habe, denke ich, wird es Zeit, auch einmal etwas zu empfehlen. Das will ich in loser Folge machen, wenn mir eine wirkliche Perle vor die Füße rollt. Aber nur dann.

09 März 2006

Frühlingsgefühle

Mir geht der Winter tüchtig auf den Senkel und mit Entsetzen beobachte ich meine Heizöltanks, die langsam aber sicher zur Neige gehen. Letztes Jahr gab's auch bis Mitte März Schnee, aber dafür im Jahr zuvor auch doppelt so viel Heizöl für das gleiche Geld.

Aber es roch heute nach Frühling, klang nach Frühling... Die Haseln stehen in voller Blüte, mein Hund Rocco badete in sämtlichen Bächen und Seen, die sich irgendwo gebildet hatten, Aronstab und Iris Germanica keimen tüchtig und die Schneeglöckchen blühen.

Die erste Ernte aus dem eigenen Garten werde ich jetzt genießen: wild gewachsenen Rucola, frische Sellerieblätter und saftig grüne Vogelmiere.

Der Frühling kommt bestimmt. Hast du gehört, Frühling!?!

druckfrisch!

Nein, nicht von Denis Scheck. Aus der Herstellung der Lübbe Verlagsgruppe: Wie gemeldet wurde, kam gestern das erste Exemplar Lavendelblues im Lektorat an. Quasi noch warm wie ein Brötchen! Natürlich bin ich jetzt ganz hibbelig...

05 März 2006

Menschengrippe in Entenhausen!

Bürgermeister warnt vor Panikmache

Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, ist die Stadt Entenhausen heute mit dem ersten Fall von Menschengrippe auf Vogelstaatsgebiet konfrontiert worden. Der verendete 35jährige Comicsammler wurde von Oma Duck auf dem Kartoffelacker gefunden, auf dem in diesem Jahr besonders viele Wandergruppen Rast machen.

Die Behörden haben umgehend alle nötigen Schutzmaßnahmen getroffen. Journalisten dürfen die Sperrgebiete im Umkreis von 10 km nur noch angeleint betreten, für Kameraleute gilt im ganzen Land ab sofort Stallpflicht. Minister sind im Haus zu halten.

"Wir versprechen uns davon ein effektives Zurückdrängen der Viren", versichert Bürgermeister Ducko, "immerhin belastet das den Steuerzahler weniger, als wenn wir für jeden Medikamente bereitstellen!"

Dagobert Duck, Geldspeicherbesitzer und Fantastillionär, stimmt dem Stadtoberhaupt zu: "Könnte ja jede Ente kommen, und gerettet werden wollen. Wo kommen wir da hin! Stellen Sie sich vor, die Panzerknacker oder Klaas Klever würden sich Duckiflu besorgen und horten!"

Sein Konkurrent Klaas Klever sieht das anders: "Ich fresse meinen Hut, wenn das nicht alles von der verdammten Massenmenschenhaltung kommt! Schauen Sie sich doch um: welcher Mensch darf heute noch im angemessenen Biotop leben? Wie gehen Enten wie DD mit Menschen um! Kein Wunder, dass es zurückschlägt. Erst BSE, der Menschenwahn... und jetzt die Menschengrippe. Alles entengemacht, sage ich Ihnen, alles entengemacht!"

Auch das Fähnlein Fieselschweif zeigt sich besorgt. In einer Gammelfleischfabrik, aus der Dagobert Duck Trillionen schlägt, haben Tick, Trick und Track die schwerkranke Tante von Schweinchen Dick gefunden. Die Arbeiterin hat sich aufgrund der mangelnden Hygiene und der Speiseabfälle in der Kantine offensichtlich die Schweinepest geholt.

"Die Lage ist ernst, aber es besteht kein Grund zur Panik!" warnt der Bürgermeister. Die Staatsmacht tue im Moment alles, um Menschen zum Tabu zu erklären. "Menschen sind eine Gefahr, Menschen dürfen nicht mehr als niedlich angesehen werden!", sagt er.

Er habe bereits dafür gesorgt, dass Menschenabbildungen von allen Osterkarten genommen würden. Obwohl keine Ansteckungsgefahr bei genügend erhitztem Fleisch bestehe, sei der Verzehr um besorgniserregende 40 % zurückgegangen. Viele Metzgereien blieben auf ihrem Menschenfleisch sitzen.

"Sollen sich nicht so haben!", findet Dagobert Duck. Seiner Meinung nach sei es abartig, wenn Enten Menschenfleisch verzehrten. "Wasser und trocken Brot, das hat bisher jede Ente satt gemacht!"

Sein Neffe Donald schmunzelt derweil in der Küche. Er findet, das alles sei typisch für eine übersättigte Gesellschaft, die den liebevollen Bezug zum Menschen verloren habe. Sagt es und wendet seinen Pfannkuchen.

27 Februar 2006

Hundeschmalz

Ich habe einen Husky, der Rachmaninow, die Beatles und abstrakte Kunst liebt - und ich habe einen Husky der keine Geigensoli mag. Alles ganz normal. Seit gestern zweifle ich allerdings am Kunstgeschmack von Wach- und Hirtenhund Rocco.

Ich war beschäftigt, ein feines Essen im Backofen zu überwachen und hatte vergessen, den Fernseher im Wohnzimmer auszuschalten, die Tür zu schließen. Irgendwann wurde es verdächtig ruhig. Wenn es so ruhig ist, kann ich wetten, Rocco stellt etwas an. Natürlich bin ich sofort ins Wohnzimmer...

Es war nicht zu fassen. Das Riesenviech lag in voller Länge auf dem Sofa, das Kinn genüsslich auf die Lehne geschmiegt... und schaute sich Rosamunde Pilcher an! Mit einem Interesse, das er sonst nur Filmen von National Geographic entgegen bringt. Diese Hund kroch förmlich in die Mattscheibe, wenn ich mich nicht irre, hatte er sogar ein Grinsen im Mundwinkel.

Unerklärlich. Was findet ein Hund an Rosamunde Pilcher? Wie er bei einer besonders schmalzigen Liebesknutschherzschmerzachunddu-Szene auch noch aufmerksam die Ohren aufstellte, zweifelte ich vollends an ihm.

Aber dann hörte ich es auch. Das Möwengekreisch war lauter als der hingehauchte Kuss. Das ist es, was Rosamunde Pilcher so spannend macht! Möwenkreischen, Pferdegetrappel, ein Wiehern zwischen Dialogen, die man nicht unbedingt gehört haben muss, Vogelzwitschern im Schloßpark... und immer wenn der Nebenbuhler kommt, quaken die Frösche! Gewisse Personen ziehen Grillenzirpen mit sich. Und immer wieder Pferd.

Jetzt weiß ich es: Rosamunde Pilcher... das ist Schwelgen in Fleisch, in traumhaften Beutegerüchen... das sind Erinnerungen an Sommerabende, an denen man die Bratwurst vom Grillteller gemopst hat. Das sind Filme, so prall mit Tierstimmen animiert, dass man auf die Menschen und das, was sie sagen, getrost verzichten kann. Ein Pilcher ist so wertvoll wie ein kleines Steak.

Alltag, heute

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: der Frühling kommt. Auch wenn der Wetterbericht das nicht glauben will, meine Spatzenfamilie ist wieder unter die Regenrinne gezogen. Dort bauen sie fieberhaft am Nest. Und auch das genau zur richtigen Zeit, weiß ich doch wieder kaum wohin mit all dem abgeworfenen Huskypelz. Der landet normalerweise als Unterlage in Vogelnestern.

23 Februar 2006

Komische Mischung

Jemand hat mich gefragt, warum mein Blog so eine "komische Mischung" sei. Warum ich als Buchautorin nicht brav mein Tagebuch schreibe, wie das andere auch tun: Heute die Zähne etwas später geputzt, weil mich mein Plot umtrieb; den Hund mit russischen Buchstabenkeksen gefüttert, wieder drei Seiten geschrieben, das Überbein am Handgelenk schmerzt...

Mal im Ernst: will wirklich jemand wissen, wann mir mal wieder eine Überschrift eingefallen ist und was ich im letzten Stau gemacht habe?

Ich bin auch Journalistin. Deshalb nehme ich Anteil an dem, was in der Welt passiert, was Menschen untereinander anrichten. Als Buchautorin ist mir der Luxus vergönnt, meine eigene Meinung zu vertreten, mich nicht an Redaktionsleitlinien halten zu müssen. Als Buchautorin interessiert mich, warum Menschen ticken, wie sie ticken.

wildewelt ist wild, unlogisch, ausschnitthaft, seltsam, subjektiv, chaotisch... wildewelt.

Wider den Fanatismus

Frankreichs bekannter Philosoph Bernard Henri Lévy hat sich nun auch im Karrikaturenstreit zu Wort gemeldet, sehr viel klarer und weitsichtiger, als es in den aufgeheizten Medienberichten der Sorte "Quote-her-mit-dir" möglich ist.

Sein Fazit ist verblüffend einfach:
"Zweitens müssen wir unsere Unterstützung für aufgeklärte, gemässigte Muslime bekräftigen, die wissen, dass die Ehre des Islam viel mehr beleidigt, missachtet und mit Füssen getreten wird, wenn irakische Terroristen eine Moschee in Bagdad in die Luft jagen, wenn..." (Vollständiger Text im Link)