wildewelt

romanwelten, echtwelten, virtuelle welten und der ganz alltägliche wahnsinn: autorenblog von PETRA VAN CRONENBURG

27 Februar 2006

Hundeschmalz

Ich habe einen Husky, der Rachmaninow, die Beatles und abstrakte Kunst liebt - und ich habe einen Husky der keine Geigensoli mag. Alles ganz normal. Seit gestern zweifle ich allerdings am Kunstgeschmack von Wach- und Hirtenhund Rocco.

Ich war beschäftigt, ein feines Essen im Backofen zu überwachen und hatte vergessen, den Fernseher im Wohnzimmer auszuschalten, die Tür zu schließen. Irgendwann wurde es verdächtig ruhig. Wenn es so ruhig ist, kann ich wetten, Rocco stellt etwas an. Natürlich bin ich sofort ins Wohnzimmer...

Es war nicht zu fassen. Das Riesenviech lag in voller Länge auf dem Sofa, das Kinn genüsslich auf die Lehne geschmiegt... und schaute sich Rosamunde Pilcher an! Mit einem Interesse, das er sonst nur Filmen von National Geographic entgegen bringt. Diese Hund kroch förmlich in die Mattscheibe, wenn ich mich nicht irre, hatte er sogar ein Grinsen im Mundwinkel.

Unerklärlich. Was findet ein Hund an Rosamunde Pilcher? Wie er bei einer besonders schmalzigen Liebesknutschherzschmerzachunddu-Szene auch noch aufmerksam die Ohren aufstellte, zweifelte ich vollends an ihm.

Aber dann hörte ich es auch. Das Möwengekreisch war lauter als der hingehauchte Kuss. Das ist es, was Rosamunde Pilcher so spannend macht! Möwenkreischen, Pferdegetrappel, ein Wiehern zwischen Dialogen, die man nicht unbedingt gehört haben muss, Vogelzwitschern im Schloßpark... und immer wenn der Nebenbuhler kommt, quaken die Frösche! Gewisse Personen ziehen Grillenzirpen mit sich. Und immer wieder Pferd.

Jetzt weiß ich es: Rosamunde Pilcher... das ist Schwelgen in Fleisch, in traumhaften Beutegerüchen... das sind Erinnerungen an Sommerabende, an denen man die Bratwurst vom Grillteller gemopst hat. Das sind Filme, so prall mit Tierstimmen animiert, dass man auf die Menschen und das, was sie sagen, getrost verzichten kann. Ein Pilcher ist so wertvoll wie ein kleines Steak.